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Aus dem Leben eines Tagebuchs

Zum Mitnehmen oder hier trinken? – Ja bitte!

Liebes Buch

Hast Du schon mal den Begriff „socially awkward“ gehört? Eine direkte deutsche Übersetzung existiert meines Wissens nicht. Frei übersetzt bedeutet das jedoch so viel wie „in sozialen Situationen ungeschickt oder unbehaglich“. Menschen, die sich in gewissen sozialen Situationen eher etwas sonderbar verhalten oder komisch reagieren.  Meiner Meinung nach  handelt es sich dabei jedoch um etwas tendenziell introspektives; etwas, das man über sich selber feststellt oder erkennt. Etwas, das aus der Extrospektion eventuell nicht als solches erkennbar ist, sich aus persönlicher Sicht gesehen jedoch danach anfühlt. Daher könnte man „socially awkward people“ auch als Menschen bezeichnen, denen „gewisse soziale Interaktionen schwer bzw. nicht leicht fallen“.  So habe ich manchmal das Gefühl, dass ich mich ab und zu etwas seltsam verhalte. Dieses socially awkward trifft in meinem Fall meiner Meinung nach also durchaus zu.

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Ein kleines Beispiel: Vor einigen Tagen war ich einkaufen, wie jeder normale Mensch. An der Kasse habe ich bezahlt, wie jeder normale Mensch. Danach wollte ich mich verabschieden… nun ja, nicht ganz wie jeder normale Mensch. Geplant war ein freundliches „Vielen Dank und einen schönen Abend!“; raus kam jedoch ein genuscheltes  „Vielen Abend!“. Gut gemacht. Doch, wirklich, grandios. Hätte man nicht besser machen können. Nach einem verwirrten Blick der netten Dame an der Kasse habe ich mich dann noch einmal wiederholt und mich angestrengt lächelnd doch noch erfolgreich höflich bedankt und verabschiedet, wie es sich gehört.

Nun, liebes Buch, andere Menschen mögen dieses kleine Malheur nach fünf Minuten wieder vergessen haben. Mich hingegen stört es jetzt noch, einige Tage später, wenn ich Dir davon berichte. Warum weiss ich nicht. Ich meine, ich habe mich schliesslich nicht bis auf die Knochen blamiert. Da ich sehr schusselig bin, kenne ich mich mit blamierenden Situationen aus. Dinge umschmeissen, Dinge herunterwerfen, in Dinge hinein laufen, über Dinger drüber stolpern – you name it, been there, done that, und das auf täglicher Basis. Alles kein Problem mehr. Aber ein kleiner kurzer Versprecher wie dieser bleibt mir tagelang im Gedächtnis.

Anderes Beispiel: Dinge bestellen, vor allem im Take-Away. socially-awkwad-2Eigentlich kein Problem, könnte man meinen. In meinem Fall sieht die Sache ganz anders aus.  Sehr oft scheitere ich beispielsweise an dieser einen,  im Grunde sehr einfachen Frage: „Zum Mitnehmen oder hier [konsumieren]?“ Meine Antwort: „Ja, gerne!“ Exzellent gelöst, kann man da nur sagen. Exzellent gelöst. Hilft dem Barista bestimmt, wenn er dir deinen Kaffee zubereiten will. Das mag daran liegen, dass ich die Frage einfach nicht ganz gehört und deshalb nur auf die erste Hälfte geantwortet habe. Es mag aber auch daran liegen, dass ich mich in solchen Situationen aus unerfindlichen Gründen einfach immer unglaublich dämlich anstelle. Ich meine, andere Menschen meistern ihren Alltag ja auch ständig, ohne an diesen kleinen „Verhalte dich gefälligst wie ein normaler Mensch“-Situationen zu scheitern.

Das Ding ist ja nicht, dass andere mich danach auf diese kleinen Malheurs hinweisen. Die höflichen Menschen hinter der Kasse haben täglich bestimmt mit duzenden von Menschen zutun, die sich weniger gut artikulieren können als ich oder sich sonst in irgend einer Art und Weise absonderlich benehmen. In dieser Menge werden sie sich nicht an das Mädchen erinnern, das auf eine Entweder-Oder-Frage mit Ja antwortet und sich statt mit „Vielen Dank und einen schönen Abend!“ mit „Vielen Abend!“ verabschiedet. Diesen Menschen fällt das wahrscheinlich gar nicht auf.  Aber ich? Bei mir da rollen sich vor Scham die Fussnägel auf und ich würde am liebsten im Boden versinken, unsichtbar werden oder, und hier muss ich jetzt meinem inneren Fangirl gerecht werden, einfach mal disapparieren.

socially-awkward-3Und das richtig Nervige ist, dass ich mich ständig an solche Situationen zurück erinnere. Wenn ich beispielsweise einschlafen will, dann kommen plötzlich Gedanken wie „Weisst du noch, als du einmal ‚Danke, gleichfalls.‘ gesagt hast, als dir der Typ an der Kinokasse viel Spass beim Film gewünscht hat? Weisst du noch? Hey, kannst du dich daran noch erinnern?“ Boah, Gehirn. Halt die Fresse.

Nach wie vor weiss ich, wie belanglos sich diese ganze Thematik anhört. Ich bin mir dessen vollkommen bewusst, dass Du, liebes Buch, wahrscheinlich immer noch nicht ganz nachvollziehen kannst, worum es sich bei meinem Problem eigentlich handelt. Umso besser für Dich! Freue Dich, solange Du kannst. Eines Tages wird es bestimmt auch Dich treffen. Aber kein Problem. Dann kannst Du dich einfach an mich wenden und ich werde Dir sagen, dass das Ganze eigentlich gar nicht so schlimm ist und dass es wesentlich peinlichere Dinge gibt, als das, was Du gerade angestellt hast. Nur ein bisschen darüber nachdenken, in Perspektive setzen und jemandem davon erzählen – oder wahlweise kurz darüber schreiben.

In diesem Sinne, schönen Dank und vielen Abend… „

 

 

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