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Aus dem Leben eines Tagebuchs

Ein Denkarium wär‘ jetzt echt geil!

Liebes Buch,

ich bin ja eine notorische Zu-spät-ins-Bett-Geherin. Ich rede hier jetzt leider nicht von „Ich musste noch kurz drei Hundebabies aus einem reißenden Fluss retten und meine Rede für den Nobel-Preis fertig schreiben.“- zu spät, sondern von der traurigen „Ich geh jetzt schlaf- OH KATZENVIDEOS!“-Version. Naja. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich pro Nacht jeweils immer weniger Schlaf abkriege, als ich eigentlich sollte.

Ab und zu schaffe ich es jedoch, früher als normal ins Bett zu gehen (d.h. acht statt sechs Stunden Schlaf). Im besten Falle würde ich dann sofort einschlafen und am Morgen ausgeruht aufwachen. In solchen Momenten macht mir aber meistens mein Hirn nen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Das dumme Ding ist nämlich immer genau dann der Ansicht, dass gerade in diesem Augenblick der richtige Zeitpunkt sei, um über alle wichtigen und unwichtigen Dinge in meinem Leben nachzudenken.

In diesen Momenten kommen alle Gedanken hoch, für die im normalen Alltag kein Platz ist. Dinge wie, Freunden, die man schon lange nicht mehr gesehen hat; die unwichtige Mail, auf die man endlich antworten sollte; das Schuh-Deo, das man schon lange kaufen will; oder das vorgeschossene Geld, das man der Mama endlich überweisen muss.

Nicht immer handelt es sich jedoch um solche einfachen Dinge. Manchmal hat mein Hirn auch Bock,  ein richtiges Arschgesicht zu sein, und mit schwerem Geschütz aufzufahren. Dann kommen mir Dinge in den Sinn, die schon einige Zeit zurück liegen. Dinge, die ich im, im Nachhinein betrachtet, richtigen Moment hätte sagen sollen – oder eben nicht hätte sagen sollen. Oder Dinge, die noch gar nicht passiert sind. Ereignisse in der Zukunft, zum Beispiel. Ereignisse, von denen ich will, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise passieren. Dinge, die ich am liebsten schon heute und nicht erst morgen erleben möchte. Kurzum, Dinge, die ich mehr oder weniger in keinster Weise beeinflussen kann.

Solche Gedanken sind fies, denn man wird sie nicht so schnell los. Sie wiederholen sich ständig und malen sich in jeglichen Farben immer wieder neu aus. Das kann man sich vorstellen, wie ein kleines Männchen, das in meinem Kopf im Kreis rennt, mit den Armen fuchtelt und laut „Lululu, ich hör dich nicht, ich hör dich nicht!“ brüllt – und kurz vorm Einschlafen haut’s die dumme Sau auf die Fresse oder sie rennt mit nem lauten „KLONK“ gegen die Schädelwand, damit ich auch ja nicht weg schlummere. Solche Gedanken sind das!

In solchen Momenten beneide ich Dumbledore wirklich um sein Denkarium. Ich meine, wie schön wäre es doch, seine Gedanken einfach mal aus dem Kopf extrahieren und in einem Fläschchen verkorken zu können? Im Schrank einschließen, bis man wieder Lust und Energie hat, sich mit gewissen Dingen zu beschäftigen. Einfach den Kopf frei zu kriegen und dümmlich zu grinsen, weil einen für einmal nichts beschäftigt. Symbolisches Tumbleweed durchs Gehirn rollen lassen. (Das sind diese fliegenden Heuballen aus der Wüste, die darstellen sollen, dass gerade nichts, aber auch gar nichts Spannendes passiert.)

Glücklicherweise habe ich aber eine Möglichkeit gefunden, meine Gedanken in solchen Momenten loszuwerden. Ich schreibe. Ich schreibe alles auf, was mich gerade beschäftigt. Alles, was mir im schlimmsten Fall schlaflose Nächte bereitet. Ob wichtig oder unwichtig, vergangen oder zukünftig, real oder ausgedacht, einfach alles.

Aufgeschrieben scheinen die Gedanken nämlich weniger ruhelos zu sein. Als hätten sie auf einem Blatt verewigt nicht die Möglichkeit, sich ständig selber neu zu erfinden und weiter im Kreis zu rennen. Zur Ruhe kommen, nennt man das.

Das funktioniert immer. Ohne Ausnahme.

Deshalb gehe ich jetzt schlafen – ohne an gewisse Dinge denken zu müssen.

In diesem Sinne, bis in den nächsten schlaflosen Nächten. „

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