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Aus dem Leben eines Tagebuchs

Das Universum 2.0

Liebes Buch,

vor einiger Zeit habe ich Dir erzählt, wie gemein und fies das Universum doch manchmal ist, wie es mir ab und zu einfach einen richtig fetten Strich durch die Rechnung macht. Dabei lacht es dann höhnisch, streichelt seine weiße Angorakatze und sagt Dinge wie: „Ich habe sie bereits erwartet.“ oder so, was weiß ich.

Fairerweise muss ich nun aber natürlich anfügen, dass das Universum nicht immer Bösewicht spielt. Da ich weder Pessimist noch Wutbürger bin, habe ich sogar das Gefühl, dass mir das Schicksal sehr oft sehr gut mitspielt. Da kann ich mich tatsächlich nicht beklagen. Wie oft schon hat der nette Busfahrer vom Nahverkehr noch mal die Türen geöffnet, weil mein Zug Verspätung hatte und ich wie eine Irre angerannt kam? Wie oft schon hat mein iPhone mit 3 % Akku durchgehalten und mich mit Musik versorgt, damit ich mir die schreienden Kinder im Bus nicht anhören muss? Wie oft schon habe ich meinen Flug noch erwischt, obwohl ich zu spät los bin und das Taxi zum Flughafen im Stau stand? Buch, ich könnte hier noch lange so weiter machen und Situationen aufzählen, in denen ich das Glück auf meiner Seite hatte und mich nicht beschweren konnte.

Manchmal habe ich ehrlich gesagt sogar das Gefühl, dass mich das Universum aktiv unterstützt und mir offensichtlich helfen will, den Alltag zu meistern – wahrscheinlich weil ich zu doof bin, um das selber hinzukriegen.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf eine Zeile aus Harry Potter und der Feuerkelch verweisen, wo Ron den inexistenten Sinn für Humor seines Bruders folgendermaßen beschreibt: „Percy würde einen Witz nicht mal erkennen, wenn er nackt und mit Dobbys Teewärmer auf dem Kopf vor ihm herumtanzen würde.“

Genau das denkt sich das Schicksal in meinem Fall. Die ist zu doof; komm, wir greifen ihr ein wenig unter die Ame, vielleicht schafft sie’s dann!

Wenn man beispielsweise schon lange einem wichtigen Gespräch aus dem Weg geht, posten die Freunde auf Facebook kluge Weisheiten wie „Das Leben ist zu kurz, um wichtige Dinge ungesagt zu lassen.“. Wenn man in der Liebe den ersten Schritt nicht wagt, weil man Angst hat vor Zurückweisung, stößt man auf brainyquotes.com auf Zitate wie „Eine Zurückweisung ist nichts anderes, als ein wichtiger Schritt im Streben nach Erfolg.“ oder das Radio spielt Lieder wie „Rather be“… If you gave me a chance I would take it, it’s a shot in the dark but I’ll make it. Jajajaja. Wer nicht wag, nicht gewinnt. Ich weiß schon.

Ab und zu geht das Universum bei seiner Unterstützung auch ziemlich sarkastisch und ironisch vor, um dir die eigene Situation vor Augen zu führen:

Wenn man zum Beispiel schon den ganzen Tag in Jogginghose vor dem Ferhnseher rumgammelt und sich den Simpsons-Marathon reinzieht, heißt es dann in jeder Werbepause „Are you sitting comfortably? – Don’t! Rise and shine. And get up and go!“ und dann werden einem tolle Bilder gezeigt von Orten, die man schon immer mal besuchen wollte – so lange, bis man die Werbung auswending kann und sich fast schon ein wenig schämt, dass man sich seit vier Stunden knapp einmal bewegt hat (und das auch nur, um die Fertigpizza aus dem Ofen zu holen).

Und klar, das Universum hat ja Recht. Es stimmt ja alles. Man sollte Dinge nicht vor sich hinschieben, weil sie mühsam sind, sondern sie direkt erledigen. Man sollte sich nicht mögliches Glück verbauen, nur weil man Angst hat, sich zu blamieren. Man sollte nicht den ganzen Tag vorm Fernseher verbringen – vor allem nicht, wenn draußen die Sonne scheint.

Das weiß ich ja auch alles; und wenn ich das Universum wäre, würde ich auch so reagieren. Ich weiß die Anstrengungen auch sehr zu schätzen. Manche mögen mich nun vielleicht verurteilen, aber leider muss ich zugeben, dass die Jogginghose manchmal etwas zu gemütlich und mein Stolz ab und zu etwas zu groß ist, als dass ich direkt etwas ändern wollte. Zum Glück bin ich in diesem Fällen immer die Einzige, die dadurch einen Nachteil hat.

In diesem Sinne, keep on trying – one day… may be. „

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