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Aus dem Leben eines Tagebuchs

Zum Mitnehmen oder hier trinken? – Ja bitte!

Liebes Buch

Hast Du schon mal den Begriff „socially awkward“ gehört? Eine direkte deutsche Übersetzung existiert meines Wissens nicht. Frei übersetzt bedeutet das jedoch so viel wie „in sozialen Situationen ungeschickt oder unbehaglich“. Menschen, die sich in gewissen sozialen Situationen eher etwas sonderbar verhalten oder komisch reagieren.  Meiner Meinung nach  handelt es sich dabei jedoch um etwas tendenziell introspektives; etwas, das man über sich selber feststellt oder erkennt. Etwas, das aus der Extrospektion eventuell nicht als solches erkennbar ist, sich aus persönlicher Sicht gesehen jedoch danach anfühlt. Daher könnte man „socially awkward people“ auch als Menschen bezeichnen, denen „gewisse soziale Interaktionen schwer bzw. nicht leicht fallen“.  So habe ich manchmal das Gefühl, dass ich mich ab und zu etwas seltsam verhalte. Dieses socially awkward trifft in meinem Fall meiner Meinung nach also durchaus zu.

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Ein kleines Beispiel: Vor einigen Tagen war ich einkaufen, wie jeder normale Mensch. An der Kasse habe ich bezahlt, wie jeder normale Mensch. Danach wollte ich mich verabschieden… nun ja, nicht ganz wie jeder normale Mensch. Geplant war ein freundliches „Vielen Dank und einen schönen Abend!“; raus kam jedoch ein genuscheltes  „Vielen Abend!“. Gut gemacht. Doch, wirklich, grandios. Hätte man nicht besser machen können. Nach einem verwirrten Blick der netten Dame an der Kasse habe ich mich dann noch einmal wiederholt und mich angestrengt lächelnd doch noch erfolgreich höflich bedankt und verabschiedet, wie es sich gehört.

Nun, liebes Buch, andere Menschen mögen dieses kleine Malheur nach fünf Minuten wieder vergessen haben. Mich hingegen stört es jetzt noch, einige Tage später, wenn ich Dir davon berichte. Warum weiss ich nicht. Ich meine, ich habe mich schliesslich nicht bis auf die Knochen blamiert. Da ich sehr schusselig bin, kenne ich mich mit blamierenden Situationen aus. Dinge umschmeissen, Dinge herunterwerfen, in Dinge hinein laufen, über Dinger drüber stolpern – you name it, been there, done that, und das auf täglicher Basis. Alles kein Problem mehr. Aber ein kleiner kurzer Versprecher wie dieser bleibt mir tagelang im Gedächtnis.

Anderes Beispiel: Dinge bestellen, vor allem im Take-Away. socially-awkwad-2Eigentlich kein Problem, könnte man meinen. In meinem Fall sieht die Sache ganz anders aus.  Sehr oft scheitere ich beispielsweise an dieser einen,  im Grunde sehr einfachen Frage: „Zum Mitnehmen oder hier [konsumieren]?“ Meine Antwort: „Ja, gerne!“ Exzellent gelöst, kann man da nur sagen. Exzellent gelöst. Hilft dem Barista bestimmt, wenn er dir deinen Kaffee zubereiten will. Das mag daran liegen, dass ich die Frage einfach nicht ganz gehört und deshalb nur auf die erste Hälfte geantwortet habe. Es mag aber auch daran liegen, dass ich mich in solchen Situationen aus unerfindlichen Gründen einfach immer unglaublich dämlich anstelle. Ich meine, andere Menschen meistern ihren Alltag ja auch ständig, ohne an diesen kleinen „Verhalte dich gefälligst wie ein normaler Mensch“-Situationen zu scheitern.

Das Ding ist ja nicht, dass andere mich danach auf diese kleinen Malheurs hinweisen. Die höflichen Menschen hinter der Kasse haben täglich bestimmt mit duzenden von Menschen zutun, die sich weniger gut artikulieren können als ich oder sich sonst in irgend einer Art und Weise absonderlich benehmen. In dieser Menge werden sie sich nicht an das Mädchen erinnern, das auf eine Entweder-Oder-Frage mit Ja antwortet und sich statt mit „Vielen Dank und einen schönen Abend!“ mit „Vielen Abend!“ verabschiedet. Diesen Menschen fällt das wahrscheinlich gar nicht auf.  Aber ich? Bei mir da rollen sich vor Scham die Fussnägel auf und ich würde am liebsten im Boden versinken, unsichtbar werden oder, und hier muss ich jetzt meinem inneren Fangirl gerecht werden, einfach mal disapparieren.

socially-awkward-3Und das richtig Nervige ist, dass ich mich ständig an solche Situationen zurück erinnere. Wenn ich beispielsweise einschlafen will, dann kommen plötzlich Gedanken wie „Weisst du noch, als du einmal ‚Danke, gleichfalls.‘ gesagt hast, als dir der Typ an der Kinokasse viel Spass beim Film gewünscht hat? Weisst du noch? Hey, kannst du dich daran noch erinnern?“ Boah, Gehirn. Halt die Fresse.

Nach wie vor weiss ich, wie belanglos sich diese ganze Thematik anhört. Ich bin mir dessen vollkommen bewusst, dass Du, liebes Buch, wahrscheinlich immer noch nicht ganz nachvollziehen kannst, worum es sich bei meinem Problem eigentlich handelt. Umso besser für Dich! Freue Dich, solange Du kannst. Eines Tages wird es bestimmt auch Dich treffen. Aber kein Problem. Dann kannst Du dich einfach an mich wenden und ich werde Dir sagen, dass das Ganze eigentlich gar nicht so schlimm ist und dass es wesentlich peinlichere Dinge gibt, als das, was Du gerade angestellt hast. Nur ein bisschen darüber nachdenken, in Perspektive setzen und jemandem davon erzählen – oder wahlweise kurz darüber schreiben.

In diesem Sinne, schönen Dank und vielen Abend… „

 

 

Occasional Mr. Hyde

Dear Book,

(As you might notice I’m writing in English. Since I’m doing an exchange semester right now most parts of daily business happen to happen in English and from time to time I catch myself thinking aloud in English as well. Therefore it seems only logical that I’m writing this in the language I’m writing it in. Sorry in advance for any mistakes… reading at own risk!)

„Are you on your period?“ „No, why?“ „You’re kinda aggressive today and more rude than normal.“

That’s what a friend said to me yesterday evening at a common friend’s flat party. It got me thinking. About myself. But first, let me give you some context. On a regular basis I’d say that I have quite good manners. I’m offering my seat to old ladies in public transports. I’m smiling at waitresses and cashiers. I’m offering help where help is required. Basic human decency.

There’s one thing though: I love sarcasm and dark humor, and sometimes I can be awfully blunt. It’s not a good combination, believe me. I’m trying to suppress these urges whenever I’m sure people will be offended or when it’s just obviously inappropriate. However, when I’m with people from whom I know that they take joy in sarcasm and all that nasty stuff I get carried away from time to time. So far, so good.

The thing that stuck to my mind after yesterday evening is the fact that the way I come across and I present myself changes depending on the environment and the people that are involved. And I’m not doing this consciously. (I’m aware that this probably is true for a lot of people. But anyway. This pretty obvious conclusion kind of hit me and kept me thinking all day.)

So what are the reasons for these particular changes in behavior? Is it mainly the topics that are being spoken about? The place? The people? My mood? To be honest, I guess that all of the mentioned factors have some kind of influence to a fair degree. However, today I figured out a more or less plausible answer – after thinking about it and deciphering it thoroughly.

The thing is that sometimes I have some pretty strong introvert tendencies. Most of my friends wouldn’t believe me, I’m sure. Only my best friends would agree and name a lot of occasions where this is true. And it’s particularly true when it comes to meeting friends, especially parties. My introvert self prefers smaller groups of people. For starters, I love being on my own. Solitude is a blessing sometimes. But this is somehow difficult if you’re going out in the evening, and for that sake beside the point, isn’t it? Alright, so, socialising in bigger groups is kind of difficult for me. The bigger the group gets the more I tend to focus on just one or two people, talking about movies or cats or [insert preferred topic here] for the rest of the evening.

Additionally, it tend to have different groups of friends in different areas of my life that I normally don’t mix. Like family, childhood friends, coworkers, fellow students or party acquaintance. And they differ regarding the level of intimacy. There is for example the „I like to party with you but I would never invite you to my birthday celebration.“-intimacy and on the other hand the „I’ve already seen you naked, so how much more embarrassing could it possibly get?“-intimacy. Basically no intimacy vs. a very high degree thereof.

Now. The complicated stuff starts when these different areas of friends and levels of friendship mix. Since everybody in this mixed group knows me on a different level there is no common attitude that I employ to „please“ everybody. Someone will always be like „Wow, you’re really quiet today.“ while others are like „Gosh, you’re just talking too much!“. In a case like this my mind has to possible paths to choose from. And again, it’s not a conscious choice. Either I completely shut down and stop talking to anybody, smiling and pretending to feel very comfortable and chilled. Or, and that’s worse, my mind snaps and goes to total overdrive. I then turn into this very loud, bubbly, and occasionally – from my point of view – kind of obnoxious person, with the sole aim of socialising while not really knowing how and therefore totally overdoing it. That’s when the sarcasm and dark humor kicks in because it tends to get the most laughs from people and making people laugh is a socially accepted and wished-for thing, isn’t it? Isn’t it? ISN’T?! Naah, just kidding. Most of the people just think I’m drunk at that point, but believe me, I can be absolutely sober and still act like a total moron.

If the later is the case my energy for socialising will be exhausted after two or three hours and needs recharging. So you’ll most likely see me disappearing to the kitchen to „get peanuts, and because I first have to grow the peanuts it takes me quite a while to come back“. Or I sneak out to the balcony to get „a little bit of fresh air, only for a minute, or an hour, depends“.  The best way actually is to start playing with any available pet. Cats, dogs, bunnies, I don’t care. Even if the animal is bored as fuck and doesn’t really appreciate me wiggling a stupid thread in front of its face for what feels like an eternity.

So, dear Book, now you know. Now you know the terrible, terrible truth.

To be honest, I don’t really mind. I cannot change that aspect about me. You know, it’s good to be aware of it, that’s all. I mean, people can decide for themselves if they want me as company and surprisingly a fair amount of people actually do. Which, to be honest, is still surprising to me sometimes. But that’s cool, I can handle that!

Well, I guess, that’s it for today. See you, hopefully with recharged energy for socialising… „

 

 

 

 

Geschichten ohne Anfang und Ende

Liebes Buch,

ich habe dir bereits erzählt, dass ich – neben meinen Texten an Dich – ab und zu Geschichten schreibe. Du weißt ebenfalls, dass ich diese Geschichten leider nur äußerst selten zu Ende bringe. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die meisten Texte lediglich Fragmente weitreichender Handlungen darstellen. Die kompletten Handlungen existieren zwar in meiner Vorstellungen, werden in dieser Form aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nie zu Papier gebracht werden.

Da mir diese Textfragmente jedoch jedes Mal aufs Neue wieder gefallen, möchte ich sie dir heute zeigen.  So werden sie wenigstens einmal noch von jemand anderem gelesen. Eine Geschichte lebt schließlich nicht nur von den Gedanken des Autors, sondern ebenso von der Vorstellung des Lesers…

Beginnen möchte ich mit einem Text namens „Blutlinie“. Abgesehen von Charakter- und Ortsbeschreibungen sowie etlichen Karten- und Plotentwürfen besteht kaum geschriebene Handlung. Diese ist angesiedelt in einer mittelalterlich anmutenden Umgebung, eventuell vereinzelt gespickt mit Elementen aus der Sagen- und Fabelwelt.

[…] Mit einer raschen Bewegung zog Daire sein Schwert. Es handelte sich um keine schlechte Waffe – im Gegenteil. Der Knauf aus dunklem Holz war glatt geschliffen, die Klinge wies nur wenige Kratzer auf. Liam nickte anerkennend. Er war ehrlich überrascht, denn eine so gute Schmiedearbeit hatte er seinem Gegner nicht zugetraut.

„Da staunst du, was?“, rief Daire feixend. Sein triumphierendes Grinsen verschwand jedoch schlagartig, als Liam seinerseits die Waffe zog. Ein Raunen ging durch die Menge. Das blanke Eisen schien in der Mittagssonne zu glühen, als hätte es jemand in Flammen gesetzt – als bestünde die Klinge aus purem Feuer.

Liam warf Daire einen prüfenden Blick zu. Der Bullige schien nicht mehr ganz so siegessicher. Aufgeben war aber offensichtlich ein Wort, das er nicht kannte.  „Waffe hin oder her. Ob du damit auch umgehen kannst, ist eine andere Frage!“ zischte er und straffte seine Schultern.

Langsam wich Liam zurück und umfasste den Knauf seiner Waffe fester, ehe er seinen Gegner mit aufmerksamem Blick zu umkreisen begann. Daire stand breitbeinig in der Mitte und verfolgte seinen Gegenüber argwöhnisch. Die Nasenflügel waren gebläht, als könne er riechen, welchen Weg Liam einschlug. „Komm schon!“, stachelte er ihn an. „Versuch es!“

Liam biss sich auf die Unterlippe. Er durfte sich von Daire nicht provozieren lassen. Das war jedoch einfacher gesagt als getan. Daires Rufe, gepaart mit dem Gegröle der Zuschauer, machten die notwendige Konzentration gänzlich unmöglich. […]

Als die Klingen aufeinander trafen, stoben Funken. Daire war zwar nicht sonderlich flink, aber die schiere Wucht, mit der er auf seinen Gegner eindrosch, machte seine Plumpheit wieder wett. Liam hatte Mühe, den Schlägen stand zu halten. Die Muskeln in seinen Armen protestierten schmerzvoll, als er einen weiteren Angriff von Daire abwehren musste. Schnell wich er einen Schritt zurück, Daire folgte ihm gleichermaßen. Ich muss meine Taktik ändern, schoss es Liam durch den Kopf, als er bemerkte, dass Daire ihn zusehends gegen die Mauer drängte. So weit durfte er es gar nicht erst kommen lassen, sonst war der Kampf verloren, noch ehe er sich richtig zur Wehr gesetzt hatte.

Mit einem Hechtsprung setzte Liam unter Daires ausgestrecktem Arm hindurch, rollte sich über die Schulter ab und griff seinen Gegner von hinten an. Daire, der nur langsam reagierte, schaffte es im letzten Moment, den Angriff zu parieren. […]

Liam hatte das Gefühl, die Erde müsse erbeben, als Daire der Länge nach in den Staub fiel. Auf dem Platz herrschte augenblicklich Totenstille, als hätte etwas alle Geräusche verschluckt. Dann kam langsam leises, ungläubiges Gemurmel auf. Alles starrten sie Liam an, der nun schwer atmend über Daire stand, die Schwertklinge an dessen Hals. […]

Der zweite Text, er heißt „Die Arche“ – hierbei handelt es sich jedoch einzig um einen Arbeitstitel -, spielt in einer (möglicherweise post-apokalyptischen) Steampunk ähnlichen (Parallel-)Welt.

[…] „Viggo…“, sagte Elenor vorsichtig und wich etwas zurück. „Ich… ich musste es tun. Mir blieb keine andere Wahl.“

Ruckartig hob der Mann den Kopf. In seinen Augen flackerte es bedrohlich. „Keine andere Wahl?“, wiederholte er scharf, die Stimme bebend vor unterdrücktem Zorn. „Keine andere Wahl, El?!“ Der Schmerz raubte ihm den Atem, rann bitter durch jede einzelne Faser seines Körpers und machte einer unbändigen Wut Platz. […]

Unvermittelt trat Viggo auf die Frau zu und seine Finger schlossen sich grob um ihr Handgelenk. Elenor wandte gequält ihr Gesicht ab, als er sie um die Wiege herum ins Licht zerrte. Er drehte die Innenseite ihres Handgelenkes nach oben. Die Haut über der Pulsader schimmerte golden. Viggo drückte mit dem Daumen leicht dagegen und spürte, wie sich unter dem Fleisch die kleine bekannte Metallplatte bewegte. Angewidert ließ er ihre Hand los und sah die Frau mit einer Mischung aus Unglaube, Wut und Enttäuschung an. 

„Sie haben dich also wieder.“, stellte er verächtlich fest.  Mit einem Ruck zog er seinen linken Ärmel bis zum Ellenbogen hoch. „Erinnerst du dich? Weißt du noch, wie es sich anfühlt, frei zu sein?“ Er trat nahe an Elenor heran und hielt ihr sein Handgelenk vors Gesicht. Über die Innenseite, parallel zur Pulsader, zog sich eine breite, wulstige Linie. Das Narbengewebe hob sich hell von der wettergegerbten Haut ab. […]

„Wie konntest du nur?“ Fassungslos sah er sie an. „Ich habe tagelang nach dir gesucht, bin Nacht für Nacht in die Arche eingedrungen, nur um vielleicht noch einen letzten Blick auf deinen Leichnam werfen zu können.“ Wie zur Bestätigung riss Viggo sich mit einer schnellen Handbewegung die Kapuze seines Umhangs vom Kopf. Elenor zuckte verschreckt zurück, als der Schein der Lampe sein Gesicht traf. Quer über seine linke Wange zogen sich tiefer Kratzer, die sich gegen sein Ohr hin verästelten und im Nacken unter dem schwarzen Haar verschwanden. „Was glaubst du, wie oft ich fast gestorben wäre? Ich hätte mein Leben gegeben, El…“. Seine Stimme versagte. […]

Beim letzen Text, den ich Dir zeigen möchte, handelt es sich um die Einleitung zur (Kurz-)Geschichte „Schutzengel“. Im Gegensatz zu den anderen beiden Texten, ist dieser in einem eher heiteren Szenario angesiedelt.

[…]  Missmutig strich sich Gaspard eine geschwärzte Locke aus dem Gesicht. Ein dünner, gräulicher Film zog sich über seinen Finger. Der Rest der Regenwolke, durch die er eben geflogen war – schon wieder.

„Ach Kacke!“ Laut fluchend wischte er mit seinem Daumen über das ehemals weiße Gewand. Auch über den hellen Stoff zogen sich graue Schlieren, als hätte jemand Öl darüber geschüttet. Schon das dritte mal in einer Woche. „Ich hasse Regenwolken.“

Was hatte man ihm während der Ausbildung gesagt? „Fliegen Sie nie durch Regen- oder, noch schlimmer, Gewitterwolken. Letzteres kann Ihnen die Flügel verkleben und Sie stürzen unter Umständen in die Tiefe.“ Dabei hatte der Ausbilder hämisch gegrinst und hinzugefügt: „Und von hier oben fallen sie wirklich, wirklich tief.“ [..]

Buch, ich hoffe, diese Zeilen ergeben im Kontext, in dem sie hier stehen, irgendwie Sinn. In meinem Kopf existieren zwar zu jeder Szene etliche vorangehende und weiterführende Handlungsstränge, geschrieben sind diese Texte jedoch leider nur Geschichten ohne Anfang und Ende.

In diesem Sinne, vielleicht, eines Tages… „

Ein Denkarium wär‘ jetzt echt geil!

Liebes Buch,

ich bin ja eine notorische Zu-spät-ins-Bett-Geherin. Ich rede hier jetzt leider nicht von „Ich musste noch kurz drei Hundebabies aus einem reißenden Fluss retten und meine Rede für den Nobel-Preis fertig schreiben.“- zu spät, sondern von der traurigen „Ich geh jetzt schlaf- OH KATZENVIDEOS!“-Version. Naja. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich pro Nacht jeweils immer weniger Schlaf abkriege, als ich eigentlich sollte.

Ab und zu schaffe ich es jedoch, früher als normal ins Bett zu gehen (d.h. acht statt sechs Stunden Schlaf). Im besten Falle würde ich dann sofort einschlafen und am Morgen ausgeruht aufwachen. In solchen Momenten macht mir aber meistens mein Hirn nen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Das dumme Ding ist nämlich immer genau dann der Ansicht, dass gerade in diesem Augenblick der richtige Zeitpunkt sei, um über alle wichtigen und unwichtigen Dinge in meinem Leben nachzudenken.

In diesen Momenten kommen alle Gedanken hoch, für die im normalen Alltag kein Platz ist. Dinge wie, Freunden, die man schon lange nicht mehr gesehen hat; die unwichtige Mail, auf die man endlich antworten sollte; das Schuh-Deo, das man schon lange kaufen will; oder das vorgeschossene Geld, das man der Mama endlich überweisen muss.

Nicht immer handelt es sich jedoch um solche einfachen Dinge. Manchmal hat mein Hirn auch Bock,  ein richtiges Arschgesicht zu sein, und mit schwerem Geschütz aufzufahren. Dann kommen mir Dinge in den Sinn, die schon einige Zeit zurück liegen. Dinge, die ich im, im Nachhinein betrachtet, richtigen Moment hätte sagen sollen – oder eben nicht hätte sagen sollen. Oder Dinge, die noch gar nicht passiert sind. Ereignisse in der Zukunft, zum Beispiel. Ereignisse, von denen ich will, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise passieren. Dinge, die ich am liebsten schon heute und nicht erst morgen erleben möchte. Kurzum, Dinge, die ich mehr oder weniger in keinster Weise beeinflussen kann.

Solche Gedanken sind fies, denn man wird sie nicht so schnell los. Sie wiederholen sich ständig und malen sich in jeglichen Farben immer wieder neu aus. Das kann man sich vorstellen, wie ein kleines Männchen, das in meinem Kopf im Kreis rennt, mit den Armen fuchtelt und laut „Lululu, ich hör dich nicht, ich hör dich nicht!“ brüllt – und kurz vorm Einschlafen haut’s die dumme Sau auf die Fresse oder sie rennt mit nem lauten „KLONK“ gegen die Schädelwand, damit ich auch ja nicht weg schlummere. Solche Gedanken sind das!

In solchen Momenten beneide ich Dumbledore wirklich um sein Denkarium. Ich meine, wie schön wäre es doch, seine Gedanken einfach mal aus dem Kopf extrahieren und in einem Fläschchen verkorken zu können? Im Schrank einschließen, bis man wieder Lust und Energie hat, sich mit gewissen Dingen zu beschäftigen. Einfach den Kopf frei zu kriegen und dümmlich zu grinsen, weil einen für einmal nichts beschäftigt. Symbolisches Tumbleweed durchs Gehirn rollen lassen. (Das sind diese fliegenden Heuballen aus der Wüste, die darstellen sollen, dass gerade nichts, aber auch gar nichts Spannendes passiert.)

Glücklicherweise habe ich aber eine Möglichkeit gefunden, meine Gedanken in solchen Momenten loszuwerden. Ich schreibe. Ich schreibe alles auf, was mich gerade beschäftigt. Alles, was mir im schlimmsten Fall schlaflose Nächte bereitet. Ob wichtig oder unwichtig, vergangen oder zukünftig, real oder ausgedacht, einfach alles.

Aufgeschrieben scheinen die Gedanken nämlich weniger ruhelos zu sein. Als hätten sie auf einem Blatt verewigt nicht die Möglichkeit, sich ständig selber neu zu erfinden und weiter im Kreis zu rennen. Zur Ruhe kommen, nennt man das.

Das funktioniert immer. Ohne Ausnahme.

Deshalb gehe ich jetzt schlafen – ohne an gewisse Dinge denken zu müssen.

In diesem Sinne, bis in den nächsten schlaflosen Nächten. „

Das Universum 2.0

Liebes Buch,

vor einiger Zeit habe ich Dir erzählt, wie gemein und fies das Universum doch manchmal ist, wie es mir ab und zu einfach einen richtig fetten Strich durch die Rechnung macht. Dabei lacht es dann höhnisch, streichelt seine weiße Angorakatze und sagt Dinge wie: „Ich habe sie bereits erwartet.“ oder so, was weiß ich.

Fairerweise muss ich nun aber natürlich anfügen, dass das Universum nicht immer Bösewicht spielt. Da ich weder Pessimist noch Wutbürger bin, habe ich sogar das Gefühl, dass mir das Schicksal sehr oft sehr gut mitspielt. Da kann ich mich tatsächlich nicht beklagen. Wie oft schon hat der nette Busfahrer vom Nahverkehr noch mal die Türen geöffnet, weil mein Zug Verspätung hatte und ich wie eine Irre angerannt kam? Wie oft schon hat mein iPhone mit 3 % Akku durchgehalten und mich mit Musik versorgt, damit ich mir die schreienden Kinder im Bus nicht anhören muss? Wie oft schon habe ich meinen Flug noch erwischt, obwohl ich zu spät los bin und das Taxi zum Flughafen im Stau stand? Buch, ich könnte hier noch lange so weiter machen und Situationen aufzählen, in denen ich das Glück auf meiner Seite hatte und mich nicht beschweren konnte.

Manchmal habe ich ehrlich gesagt sogar das Gefühl, dass mich das Universum aktiv unterstützt und mir offensichtlich helfen will, den Alltag zu meistern – wahrscheinlich weil ich zu doof bin, um das selber hinzukriegen.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf eine Zeile aus Harry Potter und der Feuerkelch verweisen, wo Ron den inexistenten Sinn für Humor seines Bruders folgendermaßen beschreibt: „Percy würde einen Witz nicht mal erkennen, wenn er nackt und mit Dobbys Teewärmer auf dem Kopf vor ihm herumtanzen würde.“

Genau das denkt sich das Schicksal in meinem Fall. Die ist zu doof; komm, wir greifen ihr ein wenig unter die Ame, vielleicht schafft sie’s dann!

Wenn man beispielsweise schon lange einem wichtigen Gespräch aus dem Weg geht, posten die Freunde auf Facebook kluge Weisheiten wie „Das Leben ist zu kurz, um wichtige Dinge ungesagt zu lassen.“. Wenn man in der Liebe den ersten Schritt nicht wagt, weil man Angst hat vor Zurückweisung, stößt man auf brainyquotes.com auf Zitate wie „Eine Zurückweisung ist nichts anderes, als ein wichtiger Schritt im Streben nach Erfolg.“ oder das Radio spielt Lieder wie „Rather be“… If you gave me a chance I would take it, it’s a shot in the dark but I’ll make it. Jajajaja. Wer nicht wag, nicht gewinnt. Ich weiß schon.

Ab und zu geht das Universum bei seiner Unterstützung auch ziemlich sarkastisch und ironisch vor, um dir die eigene Situation vor Augen zu führen:

Wenn man zum Beispiel schon den ganzen Tag in Jogginghose vor dem Ferhnseher rumgammelt und sich den Simpsons-Marathon reinzieht, heißt es dann in jeder Werbepause „Are you sitting comfortably? – Don’t! Rise and shine. And get up and go!“ und dann werden einem tolle Bilder gezeigt von Orten, die man schon immer mal besuchen wollte – so lange, bis man die Werbung auswending kann und sich fast schon ein wenig schämt, dass man sich seit vier Stunden knapp einmal bewegt hat (und das auch nur, um die Fertigpizza aus dem Ofen zu holen).

Und klar, das Universum hat ja Recht. Es stimmt ja alles. Man sollte Dinge nicht vor sich hinschieben, weil sie mühsam sind, sondern sie direkt erledigen. Man sollte sich nicht mögliches Glück verbauen, nur weil man Angst hat, sich zu blamieren. Man sollte nicht den ganzen Tag vorm Fernseher verbringen – vor allem nicht, wenn draußen die Sonne scheint.

Das weiß ich ja auch alles; und wenn ich das Universum wäre, würde ich auch so reagieren. Ich weiß die Anstrengungen auch sehr zu schätzen. Manche mögen mich nun vielleicht verurteilen, aber leider muss ich zugeben, dass die Jogginghose manchmal etwas zu gemütlich und mein Stolz ab und zu etwas zu groß ist, als dass ich direkt etwas ändern wollte. Zum Glück bin ich in diesem Fällen immer die Einzige, die dadurch einen Nachteil hat.

In diesem Sinne, keep on trying – one day… may be. „

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